Coronavirus: Das müssen Arbeitnehmer jetzt wissen

COVID-19 bestimmt derzeit das öffentliche Leben in Deutschland. Das betrifft natürlich auch unseren Arbeitsplatz. Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten arbeitsrechtlichen Fragen rund um das Coronavirus.

COVID-19: Auswirkungen für Arbeitnehmer

Was muss ich tun, wenn ich mich mit dem Coronavirus angesteckt habe? Darf ich von der Arbeit fernbleiben, wenn ich Angst vor einer Ansteckung habe? Und was passiert, wenn ich unter Quarantäne gestellt werde?

Diese und ähnliche Fragen stellen sich derzeit viele Arbeitnehmer. Wir geben die Antworten.

Ich habe mich mit dem Coronavirus infiziert. Was muss ich tun?

Bei einer Infektion mit dem Coronavirus sind Sie verpflichtet, sich umgehend beim Arbeitgeber krankzumelden. Die Art der Erkrankung müssen Sie hierbei normalerweise nicht angeben. Aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr und der Gefährlichkeit insbesondere für ältere Menschen sollten Sie Ihrem Chef aber mitteilen, dass Sie sich das Coronavirus eingefangen haben. Denn sobald ein Mitarbeiter an COVID-19 erkrankt ist oder der Verdacht auf eine Infektion besteht, muss der Arbeitgeber aufgrund seiner Fürsorgepflicht Maßnahmen ergreifen, um Ihre Kollegen vor einer Ansteckung zu schützen.

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Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollten in dieser Situation zusammenarbeiten. Wenn der Arbeitnehmer erkrankt ist, hat er seine Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung zu präsentieren und darf zu Hause bleiben und zwar so lange, wie die Krankschreibung eben andauert.

Dr. Knut Seidel

Fachanwalt für Arbeitsrecht und Gründungspartner der Kanzlei SMB RECHTSANWÄLTE

Wie lange zahlt der Arbeitgeber im Falle einer Infektion mein Gehalt?

Wenn Sie infolge einer Infektion mit dem Coronavirus erkranken und sich arbeitsunfähig melden, zahlt Ihnen Ihr Arbeitgeber weiterhin Ihr Gehalt – für den Zeitraum von sechs Wochen. Sollten Sie länger als sechs Wochen krankheitsbedingt zu Hause bleiben, haben Sie – sofern Sie gesetzlich krankenversichert sind – Anspruch auf Krankengeld. Dieses erhalten Sie von Ihrer Krankenkasse.

Nein. Die Angst davor, sich mit dem Coronavirus zu infizieren (oder mit einer anderen Krankheit), berechtigt Sie nicht dazu, der Arbeit fernzubleiben. Das stellt eine Verletzung der Arbeitspflicht dar und kann zu einer Abmahnung führen. Unter Umständen kann Ihr Arbeitgeber Ihnen sogar kündigen.

Wenn Sie Angst haben, sich bei der Arbeit oder auf dem Weg dorthin mit COVID-19 anzustecken, können Sie eventuell im Home-Office arbeiten. Hier müssen Sie aber auf die Kulanz Ihres Chefs hoffen. Denn es besteht kein gesetzlicher Anspruch darauf, von zu Hause aus zu arbeiten. Sie müssen dies mit Ihrem Arbeitgeber vereinbaren. In einigen Unternehmen kann sich die Möglichkeit aus einer Betriebsvereinbarung oder einem Tarifvertrag ergeben.

In dieser besonderen Situation erlauben viele Arbeitgeber allerdings Sonderregelungen, auch Knut Seidel bemerkt, "dass es eine sehr weit verbreitete Tendenz gibt, den Arbeitnehmern dort entgegenzukommen und die Arbeit im Home-Office zu gestatten. Das sollte in jeden Fall einvernehmlich herbeigeführt werden. Es gibt viele Bereiche, in denen das möglich ist und wo die Arbeitgeber auch mehr als bereit sind, das zu tun."

Ja – wenn Sie Ihren Job von zu Hause aus erledigen können, Sie über die notwendigen Arbeitsmittel verfügen und bereits in der Vergangenheit mobil gearbeitet haben. Ihr Arbeitgeber kann Sie als Vorsorgemaßnahme ins Home-Office schicken, um Sie und/oder Ihre Kollegen vor einer Verbreitung des Virus zu schützen.

Eins vorweg: Es gibt keinen Zwangsurlaub. Wenn Ihr Arbeitgeber aus Sorge vor Infektionen das Unternehmen schließt, ist er weiterhin verpflichtet, Ihnen den Lohn zu zahlen. Ihr Chef darf Sie nicht dazu zwingen, Urlaubstage zu nehmen oder Überstunden abzubauen, wenn er Sie nach Hause schickt. "Selbstverständlich kann der Arbeitgeber nicht von sich aus seinen Leuten sagen: So, bleibt mal schön zu Hause und ihr bekommt kein Geld", erklärt Rechtsanwalt Knut Seidel.

Unternehmen haben aber die Möglichkeit, wegen der Folgen des Coronavirus Kurzarbeit anzuordnen. Dies kann beispielsweise aufgrund von Lieferengpässen passieren, die zu einer Verringerung der Arbeitszeiten der Mitarbeiter führen. Ein weiterer Grund für Kurzarbeit kann sein, wenn Ihre Firma von staatlichen Schutzmaßnahmen betroffen ist und vorübergehend geschlossen werden muss.

"Wenn Kurzarbeit eingeführt werden soll, dann geht das nur einvernehmlich, etwa mit dem Betriebsrat", sagt Seidel. "Wenn kein Betriebsrat vorhanden ist, muss das auf individualvertraglicher Ebene mit den Arbeitnehmern abgesprochen werden. Hier deutet sich an, dass es auch gesetzliche Erleichterungen gibt, aber eine einseitige Einforderung von Kurzarbeit wird auch in Zukunft nicht möglich sein."

Wenn Sie als Arbeitnehmer betroffen sind, können Sie Kurzarbeitergeld erhalten. Dies muss Ihr Arbeitgeber bei der zuständigen Agentur für Arbeit beantragen.

Laut Infektionsschutzgesetz kann das örtliche Gesundheitsamt zum Schutz vor einer weiteren Ausbreitung des Virus Menschen unter Quarantäne stellen. Dann müssen Sie zu Hause bleiben. "In den Fällen muss dann allerdings mit dem Chef abgestimmt werden, ob man gegebenenfalls seine Tätigkeiten im Home-Office weiterverfolgen darf," sagt Rechtsexperte Seidel. Dann ist Ihr Arbeitgeber weiterhin zur Lohnfortzahlung verpflichtet.

Krankmelden können Sie sich in diesem Fall nicht. Ihr Arzt wird Ihnen nur eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellen, wenn Sie auch tatsächlich an COVID-19 erkrankt sind.

Was ist, wenn ich nicht von zu Hause arbeiten kann?

Wenn Sie offiziell vom Gesundheitsamt unter Quarantäne gestellt werden, haben Sie als betroffene Person aus dem Infektionsgesetz einen Entschädigungsanspruch. Das gilt beispielsweise für Rückkehrer aus Risikogebieten. Auch Kontaktpersonen 1. Grades, die selbst keine Symptome zeigen, fallen hierunter. Nach dem Infektionsschutzgesetz zählen sie zu den Krankheits- bzw. Ansteckungsverdächtigen.

Ihr Arbeitgeber fungiert dabei als "Zahlstelle" und erbringt die Entschädigungszahlung. Die Entschädigung bemisst sich in den ersten sechs Wochen nach dem Verdienstausfall und danach nach dem Krankengeld. In diesen Fällen kann Ihr Arbeitgeber die Rückerstattung des Betrages bei der Behörde beantragen.

Selbstständigen und freiberuflich tätigen Menschen steht aus dem Infektionsschutzgesetz ein Entschädigungsanspruch zu, wenn Sie wegen einer Quarantäne-Anordnung Verdienstausfälle haben. Hierfür müssen sie sich direkt an das zuständige Gesundheitsamt wenden. Das Amt leistet Entschädigungszahlungen, die sich am letzten Jahreseinkommen orientieren. Es können auch Betriebsausgaben (z. B. Miete für Büro- oder Praxisräume) übernommen werden.

Den Nachweis über den Verdienstausfall müssen Sie als Selbstständiger selbst erbringen. Hierzu können Sie z. B. die Bescheinigung des Finanzamts über das letzte Jahreseinkommen oder eine Erklärung Ihres Steuerberaters einreichen.

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